Entschleunigung – Bewusster Konsum von Technologie

Ich bin genau da, wo ich sein will. Eine schöne Einsicht, oder? Irgendwie beruhigend. Leider vergesse ich diese Tatsache recht häufig und komme schnell wieder in den altbekannten Strudel von zu hohen Erwartungen, Ansprüchen und Vergleichen.

Das vergangene Jahr ging im Rückblick unfassbar schnell vorbei und ohne einen moralisierenden Beitrag über Entschleunigung, die innere Mitte oder das Allheilmittel Meditation schreiben zu wollen, appelliere ich hiermit an mich selbst, die Dinge in Zukunft auch mal langsam anzugehen.

Es geht mir darum, bewusst wahrzunehmen, was um mich und mit mir selbst geschieht. Ich möchte mir am Ende des Tages aktiv Zeit nehmen, den Tag Revue passieren zu lassen – in der Hoffnung, dass dieser Akt Geschehnisse komprimiert, speichert und in ihrer Wirkung verlangsamt.

nigel-tadyanehondo

Ich habe das Gefühl und etwas übertrieben formuliert beinahe Angst, dass Technologie uns Menschen die Aufgabe abnimmt, Geschehnisse zu reflektieren.

technologie als erweiterung (in manchen fällen: ersatz) zum eigenen denken

Unsere politische Meinung zu aktuellen Ereignissen erfassen wir durch minimierte Artikel, die sich in unserer kleinen Social-Media Bubble begegnen. Wer liest schon noch Zeitung?

Termine, Geburtstage und To-Do’s speichern wir in Apps und Kalendern, bevor wir sie uns merken.

Ohne das Foto des Essens vom Sonntags-Lunch, wüssten wir eine Woche später nicht mehr was wir gegessen haben.

Schwarz ist schwarz und weiß ist weiß, weil all unsere Facebook-Freunde dieser Meinung sind.

Du: Ich nicht.
Ich: Defriended.

Wissen wir nicht, auf welchem Kontinent auf dieser Erde Peru liegt, googlen wir es verdeckt unter dem Esstisch, bevor wir eine Schwäche zugeben.

Wir schaffen uns behilfliche Coexistenzen, die unser Hirn in einer Art Ausweitung in Form eines Mediums ergänzen und irgendwie klüger, gewissenhafter, prinzipienstärker und schöner sind, als Menschen vor dem Word Wide Web.

Traurig und fast wahr. Jedenfalls erahnbar.

Ich nutze die Weihnachtszeit hiermit, um mich bewusst jeden Tag an meine Taten und dessen Auswirkungen, an das Herzerwärmende, Schöne und Traurige, was um mich und mit mir selbst geschieht auseinanderzusetzen. Damit mein Leben, während ich die Vorzüge moderner Technologie genieße, möglichst keinen Algorithmus darstellt, sondern menschlich langsam bleibt.

 

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