Minimalismus, Mentale Ordnung & Platz zum Denken

WENIGER HABEN, MEHR SEIN

Vor etwa einem Jahr war es mal wieder so weit: Ich wollte ausmisten.
Mich überkam ein großes Gefühl, welches viel Schwere in sich trug, aber gleichzeitig Erlösung versprach. Mit diesem Gefühl, was von Zeit zu Zeit auftaucht, bin ich nach Konversationen mit Familie & Freunden nicht alleine.

Als ich dann also vor all meinem elendigen Kram stand und ganz genau wusste, dass ich mich endlich wieder von ihm trennen werde, überkam mich ein weiteres Gefühl. Die endlose Sinnlosigkeit breitete sich vor mir aus, wurde bildlich und ließ die Euphorie, die ich ein paar Sekunden zuvor verspürte, verblassen.

Als Kind war ich ein Messi. Ich sammelte alles: Gegenstände, Pflanzen, Steine, Muscheln, Postkarten, Fotos und Erinnerungen in geschriebenem Wort. Dabei krallte ich mich an alles, was mich auf genau diese Situation im Jetzt in der Zukunft zurückblicken lassen wird.

Nun dürfen sich gerne alle Hobbypsychologen ausprobieren und mir ihre Diagnose in die Kommentare schreiben.

Dieses Verhalten wurde später ergänzt von dem ständigen Verlangen danach alles bildlich festzuhalten und so habe ich über viele Jahre hinweg Freunde, Mitschüler und Familie mit meinen wenig ausgefeilten fotografischen Fähigkeiten belästigt. Obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass ihr mir irgendwann noch dafür danken werdet, möchte ich mich an dieser Stelle für mein penetrantes Verhalten entschuldigen.

Diese Sammlung an Dingen, Fotos und Gedanken nahm später dann räumlich so viel Platz ein, dass ich mich in meinen vier Wänden, wie in einem Museum meines Lebens fühlte. Die Vorstellung dessen mag erst einmal romantisch klingen, doch ist sie bei realer Erfahrung eine wirklich einengende Gegebenheit. Vor Allem aber, ließen diese Dinge wenig Platz für neue Erinnerungsstücke.

Wer loslässt hat beide Hände frei. Also entfernte ich all diese Dinge und packte sie gesammelt in eine große Box. Ich beschloss, mich von all dem frei zu machen.

Mentale Ordnung

Ich bin ein Mensch der sehr stark auf seine Umgebung reagiert und habe für mich gelernt: Wer seine Umgebung vollstopft, verstopft auch seinen Gedankenfluss.

Meine neue Wohnung, ist minimalistisch eingerichtet. Weniger Schi-Schi, mehr große Flächen, die Platz zum Denken und Leben lassen. Besitztum macht schwer und träge. Ich möchte aber leicht durchs Leben gehen. Deshalb hier mein Plan zum leichten, minimalistischen Leben, den auch ich noch nicht umgesetzt habe. Dessen Erfolg, aber sicher durch den öffentlichen Druck dieses Beitrags wahrscheinlicher scheint:

5-Schritte-Plan

  1. Kleiderschrank ausmisten. Alles, was du länger als einen Monat lang nicht mehr getragen hast, wird verkauft/verschenkt/gespendet. Leg dir ein Profil bei Ebay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel oder Shpock an und werde all das Überflüssige los.
    Ausgenommen: Saisonal Unpassendes (Winterjacke im Sommer); Festtagskleidung (Abiballkleid, Anzug)
  2. Schubladen-Cleaning. Ohja, ich weiß ganz genau, dass auch in deinem Haushalt eine (oder mehrere) ungeordnete Schubladen existieren, deren Inhalt an einen Schrottplatz erinnert, welcher einmal alle fünf Jahre ein Ersatzteil an Oldtimer spendet. Diese Schublade sollte geleert oder umgeordnet werden.
  3. Basic-Sichtung. Dein Kleiderschrank gibt mehr her als du denkst. Suche dir eine blaue Jeans, eine schwarze Jeans, ein weißes Tshirt, ein schwarzes Tshirt, einen großen Wollpullover, einen dünnen Pullover, einen schlichten Mantel, ein paar Sneaker, ein paar High Heels, ein paar Stiefelletten und eine Strickjacke aus deinem Klamotten-WirrWarr heraus. Lege sie am besten in eine Extra-Schublade. Dies sind deine Basics. Wenn du dir ihrer bewusst bist, kannst du immer ein perfektes Outfit kreieren und die Basics, mit anderen, vielleicht auffälligeren Teilen aufwerten.
  4. Erschaffe Regeln. Diese muss jeder für sich selbst festlegen. Ich möchte in Zukunft nicht mehr als 3 Teile im Monat kaufen. Diese sollten bevorzugt Secondhand gekauft oder fair produziert sein.
  5. 3 Minuten. Um weiterhin der allgemeinen physischen aber auch geistigen Vermüllung aus dem Weg zu gehen, kann eine kleine Regel für alle einen großen Erfolg versprechen: Alles was in weniger als 3 Minuten erledigt sein könnte, wird sofort erledigt.

Dem Aufschieben der Beantwortung einer knappen Mail ist somit nun ein Ende gesetzt. Die Wäsche wird sofort aufgehängt und nicht erst nach vergangenen drei Stunden. Die Kleidung wird direkt in den Schrank gelegt und nicht erst auf DEN Stuhl. Das Anmelden der Prüfungen ist sofort erledigt und gefährdet nicht den Verlauf deines kommenden Semesters. Somit kannst du einige Häkchen deiner To-Do-Liste direkt nach dem Aufschreiben abhaken und hast genug Kapazität für die wichtigen Dinge im Leben.

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