Zwischen zwei Kulturen

Das Leben Zwischen zwei Kulturen 

Mit vielen meiner multikulturellen Freunden habe ich über dieses Thema gesprochen. Einige Dinge fassen wir gleich auf, in anderen unterscheiden sich unsere Erfahrungen und Meinungen. Hier meine Sichtweise:

Es bringt an dieser Stelle niemandem etwas, wenn ich Vor- und Nachteile einer multikulturellen Erziehung darlege. Viel mehr möchte ich einen Einblick geben für diejenigen, die nie in Kontakt mit diesem Thema kamen und für die, die sich eventuell wiederfinden könnten.

die wurzeln

Wie einige vielleicht wissen, habe ich sowohl deutsche als auch armenische Wurzeln. Meine Mutter ist in Deutschland aufgewachsen, mein Vater in Armenien. Da ich in Deutschland geboren und aufgezogen wurde, hat sich die deutsche Kultur wohl wesentlich weitreichender in meiner Persönlichkeit manifestiert.

Dennoch habe ich durch die Persönlichkeit und Geschichte meines Vaters verschiedene Einflüsse armenischer Kultur auf mich wirken lassen können.

Armenien ist für mich ein Land in der Ferne, welches ich ein paar Mal als Besucher und Beheimateter gleichzeitig bereisen durfte.

Es ist merkwürdig, wie sehr man sich zu einer unerlebten und somit vermutlich eher als fremd zu bezeichnenden Kultur hingezogen fühlen kann.

Es hat etwas von unerwiderter Liebe.

Dieses Gefühl, man müsste doch eigentlich perfekt zueinander passen, wenn der Andere doch nur einen Blick auf dich werfen würde.

Wir könnten das perfekte Leben zusammen bestreiten, würden wir uns nur etwas genauer kennen.

Aber irgendetwas fehlt und irgendetwas reicht nicht aus, um das vollständige Herz des Anderen zu gewinnen.

Wie kann man sich lieben, wenn man sich doch gar nicht kennt?

zwischen-zwei-kulturen-multikulturell-aufwachsen

Liebe, Schicksal und das Universum 

Mutterliebe ist bedingungslos. Vaterliebe hingegen sei an bestimmte Bedingungen geknüpft. Heimatliebe entsteht oftmals erst spät. Liebe zur eigenen Kultur erfährt man meist erst dann, wenn man bemerkt, wie verzweigt man selbst mit ihr ist und wie verloren man sich fühlen kann, wenn sie einen mal nicht umgibt.

Sozialisierung erfolgt in erster Linie durch die Erziehung der eigenen Eltern. Sie erfolgt durch Sprache, durch Zuwendung, durch Prinzipienlehre und Wegweisung. Sie setzt Ziele, Rituale und Werte und man ist stark in seiner Persönlichkeit an sie gebunden, auch wenn man dies manchmal nicht wahr haben möchte.

Du wirst geformt von deiner Umgebung, deinen Freunden, deinen Nachbarn, der Art wie sich fremde Menschen in deiner Anwesenheit begegnen, wie sich Freunde wieder sehen, wie Familien zusammenhalten, wie Feste gefeiert, Tänze getanzt, wie beschuldigt, gelobt, geliebt und gelacht wird.

Du bist du aufgrund von unzähligen Zufällen. Aufgrund des Schicksals, aufgrund von Bestimmung, Religion, den Sternen und dem Universum.

So habe ich Prinzipien und Werte von Seiten meiner Mutter vermittelt bekommen, ebenso aber auch Prinzipien und Werte meines Vaters, die sich inhaltlich nicht maßgeblich unterscheiden, aber in ihren Einzelheiten Differenzen aufwiesen.

Diese beiden Sichtweisen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht und ja, es kann verwirrend sein, verschiedene Lebensstile zu erleben, verschiedene Gebote und Verbote zu erfahren und dessen Grenzen auszutesten.

Es hat mich letztlich aber sicher nur anpassungsfähiger und kritischer werden lassen, das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

zwischen-zwei-kulturen-multikulturell-aufwachsen

zugehörigkeit & Heimat

Es ist unfassbar schön, sich beheimatet zu fühlen. Ich bin ein Mensch der es liebt, ein eigenes Heim herzurichten und sich niederzulassen.

Andererseits gibt es reichlich Raum für Unruhen. Manchmal fühlt es sich so an, als hätte ich mich nicht entschieden. Als hätte ich keine andere Wahl, da mir meine fremde Heimat nicht bekannt ist.

Du weißt auf irgendeine unvermittelbare Art und Weise, wo du hingehörst. Für einige stellt dies ein ganz konkreter Ort da, für andere mehrere konkrete Orte, einige Andere werden es vielleicht nie herausfinden.

Der Vorteil eines einzigen Zuhauses ist eine klare, eindeutige Identifikation, die vieles Kopfzerbrechen erspart.

An vielen Orten zuhause zu sein, ist aufregend, denn man wird jeden dieser Orte, nie in ihrer Gänze kennen können und entdeckt von Mal zu Mal etwas Neues.

Gleichzeitig fühlt man sich keinem Ort und keiner der Kulturen eindeutig zugehörig. Entweder fehlt etwas in deiner Person, das dich eindeutig dem Ort zugehörig macht oder dem Ort fehlt etwas, um deine Person vollständig beheimaten zu können.

Nichtsdestotrotz sehe ich das Leben und Aufwachsen zwischen zwei Kulturen als Geschenk für jedes Individuum an.

Auch wenn du dich manchmal wie ein Alien von einem anderen Planeten fühlst, trägst du eine farbenfrohe Vielfalt in dir, die man nur schwer erlernen könnte.

 

Fotografie & Bearbeitung: MALOLEPZIE Maureen Müller, Sebastian Wirsching

MerkenMerken

MerkenMerken

Weitere Beiträge
Inspiration: Beauty Favoriten & Geschenke zum Muttertag