3 Tipps, mit denen du nachhaltig Veränderung in deinem Leben schaffen kannst

I am the blank page before you. I am the fine idea you crave. Ich verbringe überdurchschnittlich viel Zeit zu Hause. Höre mehr Indie-Pop als sonst im Jahr. Starre an meine weißen Wände. Gebe mich dem Bedürfnis hin, alles neu zu gestalten. Es ist Herbst und die Sängerin Hannah Reid von London Grammar vermag es in diesem Moment meinem Gefühl den richtigen Ausdruck zu verleihen – I am the blank page before you. I am the fine idea you crave.

Ich will Veränderung.

Ein einfacher Impuls der uns stets begleitet. Doch scheint es mir, als sei die Grundstimmung des Herbsts und das Schauspiel des Wandels der Natur, wie ein Vergrößerungsglas, das sich von außen nach innen unerbärmlich auf jene Teile fokussiert, die wir bestmöglich noch vor dem Winter ablegen, reflektieren, austauschen sollten. Bevor wir uns in unsere Höhlen verkriechen, der rauen Kälte draußen ihren Raum geben und uns wohlig mit einer neu angestrichenen, authentischeren und mehr integrierten Version unseres Selbst anzufreunden.

Ein archetypischer Anteil?

Die ganze Romantik mal beiseite: Könnte es nicht auch einfach sein, dass genau da ein Ur-Instinkt aus uns spricht? Ein archetypischer Anteil der weiß, das für den ganzen Shit, den wir teilweise mit uns rumtragen, einfach kein Platz in unserem Winter-Quartier sein wird? Ob das nun das leichte Bisam-Sommerfell ist, das von unseren Vorfahren zurückgelassen werden musste oder aber heute ein erlerntes Verhaltensmuster oder ein Lebensabschnitt, der ausgedient hat. Wer will schon mit Dingen auf engem Raum leben, die einen langfristig belasten? Schließlich müssen wir sie aus eigenen Kräften durch den Winter bringen. Woher dieses Bedürfnis auch kommt – es ist ja so oder so nicht ohne Grund da und ich finde es spannend zu beobachten, wie viele Menschen – mich eingeschlossen – gerade im Herbst vieles ausmisten, loslassen, verändern wollen oder dazu gezwungen werden, weil äußere Umstände sie dazu drängen.

In der Transformations-Trance

Dann heißt es eigentlich nur noch raus aus der Gewohnheit – leichter gesagt als getan? Ja und Nein! Sprüche wie „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, „Menschen verändern sich nie“ oder „Ich bin eben so“ existieren nicht ohne Grund – aber sie sterben nur aus einem einzigen nicht aus. Weil wir uns nicht immer unserer Eigenverantwortung annehmen wollen. Wenn wir aber versuchen genau das zu tun, sind wir auch gezwungen den Weg der Veränderung bis zum Ende durchzudenken, an uns zu glauben und ehrlich mit uns zu sein. Die kommenden Schritte sind welche, die ich gerne für meine Selbstreflexion nutze weil sie für mich sehr gut funktionieren. Aber da muss denke ich auch jeder für sich herausfinden, welcher Rahmen zu ihm passt. Vielleicht könnt ihr hier Inspiration finden.

1. Dem Bedürfnis nachgehen, sich von Altem zu lösen und es bis zur Wurzel verfolgen

Scheint erstmal offensichtlich, ist es aber nicht immer. Wenn wir etwas äußerlich in unserer Wohnung oder an uns selbst verändern wollen, wissen wir, dass wir die alte Haarfarbe, alte Kleidung oder Möbel etc. erstmal aufgeben müssen, damit Platz für Neues entsteht. Wenn es um zwischenmenschliche Dinge, eigene Verhaltensmuster oder Glaubenssätze geht, wollen wir diesen Schritt oft überspringen. Das mündet eigentlich immer wieder darin , dass man beim Ausgangspunkt landet um sich dann einzureden „Gut, jetzt hab ich’s wirklich oft versucht, ich bin halt einfach so.“ Genauso wie der berühmt berüchtigte Jo-Jo-Effekt nach Diäten.

Also müssen wir unsere Grundeinstellungen hinterfragen und tiefer graben. Das sieht natürlich bei jedem Menschen anders aus. Aber ist es nicht so, dass wir immer dann an der Veränderung scheitern, wenn wir dem Teil in uns, der AUF GAR KEINEN FALL Veränderung will, kein Gehör schenken? Wenn wir nur die Seite bejubeln, die der Zukunft optimistisch entgegen sieht, heißt das auch, dass wir nur mit dem Impuls arbeiten wollen, der in uns auch den Wunsch nach Veränderung initiiert hat. Aber da verleugnen wir uns selbst und den Teil, dem die aktuelle Situation noch dient – und dieser wird sich querstellen und sich bemerkbar machen.

Wenn wir den einfach ignorieren weil wir ihn als „schwach, ängstlich, irrational, lächerlich“ empfinden, erklären wir uns selbst den Krieg. Das habe ich auch schon oft genug gemacht und erst kürzlich erkannt, dass es in solchen Momenten des Zwiespalts genau darum geht, den vermeintlich schwächeren Anteil an die Hand zu nehmen und ihn zu fragen was er braucht um mitzumachen, anstatt mit einer fetten Planierraupe auf der steht „Ich bin stark“ über ihn hinwegzuwalzen, weil der andere Teil es „besser“ weiß. Denn damit ist die Sache natürlich nicht gegessen, weil wir uns nicht einfach so von inneren Anteilen lösen können. Wir können sie entweder weiter gegeneinander aufstacheln oder versuchen diese Fragmente miteinander vertraut zu machen und zu integrieren. Und ich kann für mich sagen, dass es dort und wirklich nur dort Raum für nachhaltige Veränderung geben konnte.

2. Welche Anteile halten dich zurück?

Die menschliche Psyche ist so komplex, deshalb ist es oft erstmal gar nicht so leicht herauszufinden, welcher Aspekt unseres „Selbst“ da nun genau streikt. Mir hilft es immer – weil ich ein sehr visueller Mensch bin – mir vorzustellen, dass ich mit allen meinen Anteilen, „verschiedenen Seiten“, Prägungen in einem Bus sitze. Das ganze Fahrzeug ist meine Persönlichkeit, ich sitze als mein Bewusstsein vorne am Steuer und in den ganzen Reihen hinter mir sitzen jeweils Anteile die irgendwo in meinem Unterbewusstsein herumdümpeln.

Weil ich vorne am Steuer sitze, ist es nicht nur meine Aufgabe zu entscheiden, wo ich als nächstes abbiegen möchte, sondern vor allem auch darauf zu achten, dass sich die Anteile hinter mir nicht gegenseitig bekriegen. Eigentlich würden sie nämlich auch gerne wieder vorne neben mir sitzen und aktiv mitentscheiden was wir machen und die Aussicht genießen. Aber wegen eines Schmerzes, eines Traumas in der Vergangenheit (egal wie groß oder klein) hat mein Bewusstsein sie abgespaltet und sie vom Beifahrersitz nach hinten verfrachtet. Ihr könnt euch vorstellen: Diese Teile von uns, zu denen wir teilweise so wenig Bezug haben weil sie vielleicht so weit außerhalb unseres Bewusstseins liegen, sind nicht so happy. Vor allem nicht die, die ganz hinten sitzen müssen.

Hinten, in der letzten Reihe von Bussen, ist es immer am lautesten. So stelle ich mir das auch mit dem Unterbewusstsein vor. Diese Teile wollen gehört werden, in ihrem Schmerz gesehen und geheilt werden. Blöd nur, dass das in der Regel die Teile sind, über die wir am wenigsten nachdenken – uns bewusst machen – wollen. Vielleicht weil sie nicht zu unserem „Selbstbild“ passen. Deshalb werden sie immer lauter, schicken uns Signale – vielleicht in Form von selbstsabotierendem Verhalten – welches dann wiederum der Veränderung im Weg steht.

Natürlich bin ich keine Psychologin und die Fragmentierung von Bewusstseinsanteilen hat sicherlich auch noch viele andere Facetten – aber bleiben wir mal bei diesem Bild. Wir können die Musik vorne so laut aufdrehen wie wir wollen, die Strecke noch so schön sein – wenn du dir die Anteile aus deinem Unterbewusstsein nicht wieder bewusst machst, kann keine nachhaltige Veränderung passieren. Hol sie dir zurück. Gib dich der Angst vor Ablehnung hin (weshalb du sie ja ursprünglich verdrängen musstest, damit du zu einer Version deiner Selbst wirst, die von seinem Umfeld akzeptiert wird). Lass sie vielleicht für eine Weile auf dem Beifahrersitz neben dir sitzen. Gehe mit ihnen in den Dialog.

Angenommen du kommst ständig zu spät und willst pünktlicher werden. Frage dich nicht „Warum komme ich immer zu spät“ – frage dich warum bin ich „nicht“ pünktlich? Frage dich, ohne dich zu verurteilen oder die gegensätzlichen Eigenschaften als „gut“ und „schlecht“ zu bewerten. Versuche dir zu überlegen, was dich gerade noch davon abhält, das zu sein, was du eigentlich bist. Versetze dich in das gewünscht Szenario, zum Beispiel in das, in dem du pünktlich bist. Fühle dich hinein. Wenn du die Angst spürst, die sich in dem Moment ausbreitet, begegnest du dem Teil aus deinem Unterbewusstsein, der dich aktuell davon abhält die Veränderung zu integrieren, die du möchtest. Denn er möchte zuerst bewusst werden.

Sidenote: Ich glaube, dass es wichtig ist hier zwischen Emotionen und Verhalten/Denkmustern zu unterscheiden! Wenn wir in einem bestimmten Emotions-Zustand sind – z.B. Trauer – und uns fragen, warum wir nicht glücklich sein können, schafft diese Art des Hinterfragens nur weitere Abspaltung. Das würde jetzt allerdings etwas zu spezifisch für diesen Artikel werden. Deshalb möchte ich an dieser Steller nur das YouTube Video „Positively Embrace Your Negative Emotions“ von Teal Swan empfehlen.

Mir hilft in dem Prozess zum Beispiel das Journaling. Dann versuche ich Momente in meinem Alltag zu kreieren, in denen ich diesem unterbewussten Teil/Glaubenssatz zeige, dass er ohne Bedenken in mein Bewusstsein zurückkehren darf. Das keine Gefahr droht. In dem ich ihm den Raum gebe zu sein und Möglichkeiten anbiete um angenommen zu werden, integriert er sich wieder mehr und steht der Veränderung nicht mehr im Weg.

Das dauert manchmal Wochen oder Monate, Jahre…manchmal darf Veränderung aber auch schon im Handumdrehen geschehen und leicht sein. Erkenne dich in dem was du bist. In dem was du nicht sein willst. In dem was du werden möchtest. Und kenne deine verdammten Rückbänke. 😀

3. Visualisierung der Veränderung mit Vision Boarding/Manifestation/Meditation

Ich liebe es Vision Boards zu erstellen, die mich täglich daran erinnern, wo ich hin möchte und welches Potential noch in mir steckt. Dazu schnappe ich mir einfach ein paar inspirierende Magazine und schneide die Bilder und Headlines/Affirmationen/Sätze aus, die mich ansprechen. Dann sortiere ich alles und schaue, was für ein Gesamtbild sich ergibt. Ich lasse mich also eher intuitiv von der Bildsprache leiten und setze die Teile dann zusammen – genauso kann man aber auch mit einem direkten Wunsch arbeiten und seine Intention schon vorher festlegen.

Wenn du also ein Vision Board möchtest, das dich daran erinnert, mehr an dich zu glauben, kannst du nur spezifisch Material suchen, das dich explizit dazu auffordert. Ich versuche auch darauf zu achten, dass die Aussagen dann sehr bezeichnend sind und hier möglichst kein „nicht“ enthalten. Also zum Beispiel „Ich bin furchtlos“ statt „Ich habe keine Angst“.

Egal ob positiver Fokus, Mediation, Manifestation oder Vision Boarding – alle diese Methoden finde ich ganz hervorragend um sich immer wieder an sein eigenes Potential zu erinnern, den Glauben an sich und seine Fähigkeiten zu stärken und seine Ziele neu und klar zu definieren.

Ich glaube man kann es sich ungefähr so vorstellen: Der Wunsch nach Veränderung ist wie der Kompass den man neu auslotet. Der wichtigste Teil ist dann mit Abstand die Auseinandersetzung mit dem eigenen Unterbewusstsein, negativen Glaubenssätzen oder Schattenanteilen – Wie die Vorbereitung auf die Fahrt. Sind alle „on board“? Wer hat Angst und muss erklärt bekommen, warum er die Finger von der Handbremse nehmen darf? Wer hat noch Hunger, Durst? Ist der Tank voll? You know what I mean.

Mit sich selber einchecken, mit Freunden und Familie sprechen oder sich eventuell auch eine*n Vertraute*n suchen oder eine*n Therapeut*in, die/ der hilft sich einen Überblick über das eigene Unterbewusstsein zu verschaffen und zwischen den Anteilen zu vermitteln. Last but not least kann dann die Visualisierung/ Manifestation/ der positive Fokus eine geniale Unterstützung sein. Ich glaube aber, dass das erst funktionieren kann, wenn wir schon auf dem Weg sind und Ruhe in unserem Fahrzeug herrscht. Dann kannst du dir mit diesen Mitteln problemlos ein Werkzeug schaffen – eine Karte auf die du immer wieder gucken kannst um dich zu erinnern wohin du möchtest und wer du bist. Wenn aber die ganze Zeit jemand vom Rücksitz schreit, kannst du dich nicht konzentrieren und bist nicht klar. In anderen Worten: Wir können nur aussenden und anziehen, was unser Unterbewusstsein als „wahr“ empfindet.

Du bist der Fahrer, ermächtige dich in deinem Fahrzeug

Eigentlich haben wir nur zwei Möglichkeiten wenn es um Veränderung geht: Entweder wir lassen uns unser ganzes Leben von den Anteilen/Glaubenssätzen/Prägungen aus den Rückbänken dazwischen grätschen oder wir nehmen uns ihrer an und versuchen sie nach und nach wieder zu integrieren, damit wir sie in unsere Entscheidungen einbeziehen können – unsere Verletzlichkeit ist hier unsere größte Stärke! Das ist auf jeden Fall ein Prozess der nie endet – aber er ist so viel belohnender als die Stagnation die sonst auf der anderen Seite früher oder später entsteht.

Und gerade jetzt ist, wie ich finde, nochmal eine wunderbare Gelegenheit vor dem Winter größere Veränderungen anzustoßen, auszusortieren. Welche Sache soll dich in der nächsten Saison keiner Energie mehr berauben? Warum fürchtest du dich vor dieser einen Veränderung? Was lähmt dich? Welche Verdrängung steht deiner Veränderung im Weg?