Nordseeurlaub

Die Mallorca-Playlist im Dänemarkurlaub zu hören ist schon gewagt – ein Familienurlaub der besonderen Art

Ein Urlaub mit der Familie. Die meisten von uns hören mit zunehmendem Alter auf, gemeinsam mit den Eltern und Geschwistern in den Urlaub zu fahren. Das war bei mir auch so: Doch nach sieben Jahren stand diesen Sommer mal wieder eine gemeinsame Reise an. Aber was macht man, wenn der eigentliche Urlaub aufgrund der derzeitigen Situation abgesagt und in das nächste Jahr verschoben wurde? Genau: Man schaut sich einfach mal in der Nähe um. Gott sei Dank haben wir das Glück relativ nah an der dänischen Grenze zu wohnen: Das Ziel war also schnell gefunden.

Wer jedoch so kurz vor knapp nach freien Häusern schaut, sollte nicht mit der größten Auswahl rechnen. Vieles war schon weg, viel zu groß und schlicht weg zu teuer. Über kurz oder lang sind wir dann doch noch fündig geworden und so ging es Anfang September in den Ort Houstrup nicht weit vom Strand entfernt. Der Weg dorthin war schon ein Abenteuer. Wer meine Familie kennt, weiß dass wir ab und an einen kleinen Zacken haben (gut vielleicht auch die ganze Zeit), aber ich finde das ganz wunderbar und könnte es mir nicht anders vorstellen.

Auf der Autobahn angekommen, holte mein Bruder dann ein Walkie-Talkie raus – so richtig wie man das von früher kennt. Als ich noch klein war, sind wir mit mehreren Familien in den Urlaub gefahren und schon damals hatte jedes Auto ein Walkie-Talkie dabei. Diese Kindheitserinnerung wollten mein Bruder und mein Vater wieder aufleben lassen und man, was hatten wir einen Spaß damit. Funksprüche, wie wir sie noch aus unseren Zeiten in der freiwilligen Feuerwehr kannten, Pippi-Pausen und Lunch-Spots: Alles wurde über die kleinen Old-School-Geräte abgesprochen.

An unserem Haus angekommen stellten wir schnell fest, dass wir wohl die Ersten sind, die darin wohnen würden: Nebenan war eine große Baustelle (wobei ich es zu dem Zeitpunkt unserer Ankunft) eher als Loch bezeichnen würde, um das zwei Bagger standen. „Ach, da passiert die Woche eh nichts“, ein Kommentar, den meine Mutter am nächsten Tag bitterlich bereute, als wir draußen auf der Terrasse lagen und die Sonne genossen. Denn: da passierte ordentlich was! Die Bagger fuhren hin und her und gerade leise war das nicht.

Schon während des Ausladens geschah das erste Missgeschick: Eine Kiste verlor ihren Boden und so landeten 20 Eier auf der nigelnagelneuen Fußmatte. Das war eine Sauerei! Mama war da schon auf 180, Papa hat immer wieder beteuert, dass er nichts dafür kann „die Kiste ist kaputt gebrochen“ und mein Bruder und ich machten uns schnell an die Reinigung der Matte, bevor es eskaliert 😉 Im Nachhinein war es dann gar nicht so schlimm, Papa traf keine Schuld und wir haben herzlich darüber gelacht.

So richtig geplant hatten wir nichts. Gott sei Dank! Das war richtig entspannend. Am zweiten Tag ging es mit dem Fahrrad zum Strand (mein Bruder hatte uns zwei Räder ausgeliehen und meine Eltern hatten ihre eigenen mit). Und wer hätte es gedacht, zwischen den Dünen war es so warm, dass wir uns in der Nordsee abgekühlt haben. Ich fass mich an dieser Stelle mal kurz: Es war kalt – *****kalt, aber hat sich auch auf jeden Fall gelohnt, denn das kühle Wasser war herrlich. Der Weg zum Strand führte uns durch eine wunderschöne Landschaft, in der es sich sogar Wildpferde haben gut gehen lassen.

Am Nachmittag bekamen alle Hunger. Also schnell die Sachen zusammengepackt, zu den Fahrrädern zurück und auf ging es in den nächsten Ort: Hot Dogs essen. Ach das klingt so einfach, wenn ich das hier so schreibe. War es aber nicht 😉 Über Google Maps haben wir eine Abkürzung durch die Wälder gefunden. Ganz nach dem Motto: Hauptstraße kann jeder, ging es für uns über schottrige Kieselsteinwege (auf denen rutschen die Fahrradreifen so schön weg und man muss aufpassen nicht mit dem Gesicht auf dem Boden zu landen) und über matschige Waldwege. Das erinnerte mich stark an einen Wanderurlaub, den ich als kleines Kind mit meiner Familie in Österreich verbracht habe. Eine dieser Wandertouren endete auf einem Feld inmitten von einem Haufen Kuhmist – herrlich!

Schlussendlich kamen wir an, leicht gestresst und genervt, aber glücklich über die Tatsache, dass es in diesem Ort genau einen Imbiss gab. Drei überteuerte Hot Dogs und eine Portion Pommes später ging es zurück zum Haus. Ich wollte vor dem Abendbrot unbedingt noch in den Jacuzzi. Ein absoluter Traum bei Sonnenuntergang inmitten der Blubberblasen zu liegen und dabei ein Bier zu trinken. Ich habe es wirklich sehr genossen. Das beste am Haus war übrigens die Outdoordusche. Die konnte sogar warmes Wasser und so habe ich es mir nicht nehmen lassen, jeden Tag draußen zu duschen – für mich der pure Luxus.

Die Abende waren stets mit Programm gefüllt. Der Billiardraum mit Playstation und einige selbst mitgebrachte Kartenspiele sorgten für ausreichend Vielfalt. Schon am ersten Tag machte mein Bruder eine Entdeckung, die über den Verlauf unseres Urlaubs entscheiden sollte: Einen Karaokelautsprecher mit Mikrofon. Als kleine nicht ganz unwichtige Info: mein Bruder ist eigentlich relativ ruhig, ein Beat-Producer, der auch sein Equipment mit in den Urlaub nimmt, um auch da zu arbeiten (davor ziehe ich grundsätzlich meinen Hut – Chapeau).

Kurzerhand schnappte er sich diesen Lautsprecher und rannte mit dem Mikrofon in der Hand durch das Haus. Aus einer anfänglichen Spielerei wurden regelmäßige Ansagen, zu den Veranstaltungen und Mahlzeiten des Tages: Wie man es auch aus dem Club-Urlaub in der Türkei gewohnt ist. 😉 Mein Bruder fand sein Alter-Ego und übernahm für die gesamte Zeit die Rolle des Animateurs. Abends stand er hinter seinem Laptop und spielte die aktuelle Mallorca-Playlist während er dazu im Takt grölte. Ein wirklich fremder Anblick, der uns alle herzlich zum lachen brachte. Mein Vater verwandelte sich in den überambitionierten Club-Hotel-Gast, der sich immer wieder über das Mikrofon für die tolle Animation und das abwechslungsreiche Angebot an Aktivitäten bedankte – was für ein Schauspiel!

Wir gingen nicht ins Bett ohne ein paar Runden Billiard gespielt zu haben. Die Teams hatten sich schnell gefunden. Meine Mutter und ich traten stets gegen meinen Vater und meinen Bruder an. Wir entwickelten sogar Kampfnamen und zogen die Jungs nicht nur einmal ordentlich ab.

Die Tage waren gefüllt mit Spaziergängen am Strand, gutem Essen, Fahrradtouren, baden im Jacuzzi, einkaufen in fremden Supermärkten (es ist einfach immer wieder spannend, was es so in anderen Ländern gibt), lesen und viel Sonnenbaden. Zwischendurch mussten wir immer wieder feststellen, wie schön es ist gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Da macht es nichts, dass die Kinder mittlerweile erwachsen sind. Wer sich so gut versteht und seine verrückte Seite ohne Hemmungen ausleben kann, hat wirklich Glück gehabt im Leben.

Beenden wollten wir den Urlaub mit einer letzten Partie Billard – der Kampfgeist war groß. Um neun Uhr morgens sollten wir aus dem Haus sein, denn dann würde es für die nächsten Gäste vorbereitet werden. Um 8:50 Uhr war das Auto gepackt, alles aufgeräumt und vier Hände griffen nacheinander nach den Queues (die Stäbe, die man zum spielen benutzt). Die Runde war schnell vorbei: Mama und ich waren mittlerweile ein eingespieltes Team und so brauchten wir nicht lange, um unseren Gegnern zu zeigen, wer hier der Bessere ist ;). Kurz nach neun fuhren wir dann mit den Autos die Auffahrt vom Haus hinunter. Ein Reinigungswagen der Haus-Vermietung kam uns entgegen. Fast hätten sie uns dabei erwischt, wie wir ein letztes Mal mit den Queues um den Billard-Tisch getanzt sind. 😉