Feministisch geprägter Dancehall bei Newcomerin Bria – schon gehört?

Die jamaikanisch/amerikanische Sängerin und Songwriterin Bria steht kurz vor der Veröffentlichung eines eigenen Musik-Projekts. Wie sie Tradition mit Innovation mixt

„Sie könnte meine Tochter sein!“ Als Tina Turner einen der Gesangsauftritte Brianna „Bria“ Drains so kommentiert als diese gerademal 16 Jahre alt ist, weiß sie, dass sie sich auf einem erfolgsversprechenden Kurs befindet. Ihr Ziel? Die Musikbranche feministischer zu prägen. Die heute 25-Jährige lebt seit vier Jahren in Hamburg und ist schon seit zehn Jahren Teil des Musikgeschäfts. Auf Jamaika und Mallorca großgeworden, begann sie bereits als Sechsjährige ihre Gesangsausbildung. Ihre Leidenschaft für das Performen entdeckte sie in schulischen AG’s und ebnete nach dem Abitur durch kleine Gigs innerhalb Europas ihren Weg ins internationale Showbusiness. 

„In den letzten zwei Jahren habe ich hauptsächlich nur für andere Künstler geschrieben. Ich liebe meinen Job als Songwriterin, aber da kann man sich nicht unbedingt selbst verwirklichen. Man erzählt eher Geschichten für andere Künstler, fühlt sich in deren Lebenslage hinein. Irgendwann hatte ich das Bedürfnis, auch wieder mehr von mir zu erzählen.“, erklärt Bria die Intention hinter dem eigenen Projekt. Dass sie ihr Handwerk beherrscht, zeigt zum Beispiel der Goldstatus des Songs „Back to the start“ von Michael Schulte, den sie als Co-Writerin mitgeschrieben hat. Sie führt fort: „Wenn ich an meinen eigenen Songs schreibe, ist das Hauptmotiv aber eher female empowerment.“ 

Mehr Raum für Vielfalt im Dancehall

Dies ist auch ein Thema, welches die junge Künstlerin stets begleitet hat: „Ich war immer umgeben von starken, karriereorientierten Frauen. Schon als Kind habe ich nicht verstanden, warum das Zentrum des Lebens der meisten Disney-Prinzessinnen ein Mann ist. Das passte nicht in mein Weltbild.“ Die ersten sieben Jahre ihres Lebens, die sie mit ihrer Mutter, Großmutter und ihren Schwestern auf Jamaika verbracht hat, haben sie aber nicht nur in dieser Hinsicht geprägt. „Die Energie der Insel ist allgemein sehr kreativ, die Kultur fast ein omnipräsent ausgelebter Lifestyle. Das ist und bleibt ein Teil von mir.“ Die Idee eigene Songs aufzunehmen, entwickelte sich trotzdem erst im letzten Jahr. Ihr Hauptgenre ist eigentlich R’n’B oder Soul. 

„Die Musikbranche ist immer noch eine der sexistischsten Industrien. Bestimmte Genre sind leider völlig männerdominiert. Gerade im Dancehall-Bereich sind Frauen immer noch unterrepräsentiert.“ Das hat sie angespornt mit einem eigenen Werk aktiv dagegen anzusteuern. Aber Dancehall bringt noch eine weitere negative Konnotation mit sich. So sind viele Texte oft immer noch voller Homophobie.

Diese Bewegung innerhalb des Genres hatte zwar Anfang der 2000er ihren Höhepunkt, doch sind LGBTQI-feindliche Tendenzen in den Songs noch nicht vollständig abgeebbt. „Es ist Zeit für eine neue Welle innerhalb des Genres – eine Bewegung, die mehr Platz für gesellschaftliche Vielfalt bietet.“ Wenn sie Dinge besonders betonen will oder überlegt, trommelt sie immer mal wieder mit ihren Händen auf Gegenständen.

„Die Songs ins Spanische zu übersetzen ohne den Flow zu zerstören ist zwar nicht einfach, aber ich wollte etwas Besonderes erschaffen.“

Nachdem Bria den Auftrag bekam für einen anderen Künstler einen Song in Patois (jamaikanischer Dialekt) zu schreiben und einzusingen, wurde ihr klar, dass sie fortan auch eigene Dancehall-Tracks schreiben wollte. Gesagt-getan. Das Endprodukt: 15 Songs im bilingualen Bria-Style jeweils in einer spanischen und einer englischen Version. „Ich wollte innovativ sein! Die Songs ins Spanische zu übersetzen ohne den Flow zu zerstören ist zwar nicht einfach, aber ich wollte etwas Besonderes erschaffen. Außerdem sind die Songs nicht purer Dancehall, sondern immer ein Mix mit anderen Genres: Dancehall/ Trap, Dancehall/ EDM, Dancehall/ Soul, Dancehall/ Hip Hop.“

Immer dabei: Ihr Produzent, Mentor und VIBEKINGz Gründer Patrick „Static“ Scheffler. Bevor die beiden sich 2015 kennenlernten und sie den Vertrag bei ihm unterschrieb, lernte sie die Schattenseite des Business kennen. Sie geriet an ein Künstlermanagement, das sie nur ausbeutete, nicht bezahlte. „Vielen geht es wirklich nur um das Geld und nicht um die Kunst.“, reflektiert sie verständnislos.

„Mittlerweile kenne ich den Wert meiner Arbeit und vor allem meinen eigenen.“, lacht sie weiter. So ein Vertrauen zu sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten kann nur entstehen, wenn man von klein auf ein sicheres Umfeld um sich hatte. „Meine Familie unterstützt mich wirklich immer wo es geht. Als meine Mutter neu heiratete und wir zu meinem Stiefvater nach Mallorca zogen, ging meine gesangliche Ausbildung, die ich bereits mit sechs auf Jamaika begonnen hatte, vor allem durch ihn in die nächste Runde.“

„Es fühlt sich so an, als sei ich mein ganzes Leben lang schwanger gewesen. Ich will gerade nichts lieber, als dieses Kind zu gebären!“

Ihr Stiefvater wurde später auch zu ihrem Manager. Er begleitete für ein paar Jahre ihre kreative Entwicklung – Auftritte im Auditorium de Palma, dem Sinfonieorchester von Palermo und Collaborations mit Künstlern wie dem Latin-Grammy-Preisträger Mayito Rivera folgten. „Das waren tolle Erfahrungen, gleichzeitig merkte ich, dass er mich eher in der klassischen Schiene sah. Aber ich wollte R’n’B und Soul machen.

In den drei Jahren nach meinem Abitur reiste ich viel in Europa hin und her für Auftritte und Interviews. Vor allem nach Deutschland. Das zog mich dann nach Hamburg.“ Zu weiteren Erfolgserlebnissen zählt sie ihren Auftritt als Vorgruppe der mehrfach preisgekrönten Sängerin JoJo in Deutschland. Anfang 2018 war sie in dem Song „The Hype (Remix)“ der britischen Künstlerin Nolay zu hören, der in Deutschland großen Chart-Erfolg feierte.

Mit dem Projekt richtet sie sich an eine internationale Zielgruppe: Großbritannien, Schweden, die USA, die karibischen Inseln und Belgien. Ein Veröffentlichungs-Zeitpunkt steht erstmal noch nicht fest. „Gerade bei jungen Künstlern ist der Release-Moment so wichtig.“ Da müsste vom Timing wirklich alles stimmen. Aber sie kann es kaum erwarten: „Es fühlt sich so an, als sei ich mein ganzes Leben lang schwanger gewesen. Ich will gerade nichts lieber, als dieses Kind zu gebären!“ 

Vor allem möchte Bria aber noch eine weitere Sache: Gleichstellung. Im Dancehall. Im Musikgeschäft. Das kommende Projekt kann da schon der erste Zug in die richtige Richtung sein – auf den hoffentlich noch viele weitere Künstler*innen aufspringen. 

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