Von Pommes und Sommersprossen

Ein verlängertes Wochenende an der Ostsee: die Erwartungen waren hoch doch das Wetter machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Wie ich es mir trotzdem schön gemacht habe und was man alles machen kann ohne am Strand zu liegen und zu baden.

Dieses Jahr fällt der Urlaub mal ein bisschen kleiner aus. Ich denke, es ist nicht nötig an dieser Stelle näher auf die Gründe einzugehen – wir wissen wahrscheinlich alle warum und es geht uns allen ähnlich. Ein Glück haben meine Eltern einen Wohnwagen an der Ostsee stehen. Und wenn ich an der Ostsee schreibe, dann meine ich direkt an der Ostsee. Zum Wasser braucht es gerade mal sieben Treppenstufen und eine Deichüberquerung und dann stehe ich schon mit den Füßen drin. Das wusste ich schon als Kind zu schätzen und weiß es jetzt noch viel mehr: Nachts höre ich das Meer rauschen und am frühen Morgen bin ich schon im Wasser, habe die Augen aber noch nicht einmal richtig auf.

Das Wochenende war weit im Voraus geplant. Man, was habe ich mich darauf gefreut. Aus der Stadt kommen, frische Seeluft einatmen, das Meer sehen, viel baden und jede Menge Sonne tanken. Leider werden Erwartungen selten getroffen und so ist es natürlich anders gekommen, als von mir schon im Kopf vorgeplant: es war nicht sonderlich warm (meine Sommerkleider habe ich gar nicht erst ausgepackt) und es regnete jeden Tag immer um die Nachmittagszeit.

Was viele nicht wissen: wenn es Nachts leicht regnet und man in einem Wohnwagen schläft kann es richtig romantisch sein, dem leisen plätschern zu lauschen. Doch wenn man Nachts in einem Wohnwagen schlafen will und es so richtig schüttet, fühlt man sich wie ein Pommes, der gerade in einer Friteuse zu einem goldbraunen Geschmackserlebnis frittiert wird. Der Regen prasselt dann auf das Dach ein und das laute Frittier-Hämmer-Geräusch hält wirklich jeden vom Schlafen ab. Vom letzteren Erlebnis hatten wir an diesem verlängerten Wochenende mehr als genug.

Doch von dem wenigen Schlaf und den eher kühleren Temperaturen wollten wir uns aber nicht den Ausflug vermiesen lassen. Also ging ich fast jeden Morgen baden (das kenne ich noch aus der Kindheit) und ließ es mir auch diesmal nicht nehmen. Wenn man schnell reinläuft ist es auch fast nicht mehr kalt ;).

Am Donnerstag Mittag ging es dann zum Beeren pflücken beim Obsthof Stubbe. Das macht irgendwie immer Spaß und man kann sich dabei schon mal den Bauch schön voll schlagen.

Der Freitag wollte irgendwie auch nicht so richtig sonnig werden. Nach einer Stunde Karten spielen im Vorzelt haben wir uns auf den Weg nach Anis gemacht – die kleinste Stadt Deutschlands. Gefühlt gibt es da nur eine Straße. Aber diese Straße ist eben auch besonders schön. Links und rechts weisen wunderschöne alte Häuser den Weg zum Hafen. So richtig norddeutsch eben! Nach einem kleinen Spaziergang durch die „Stadt“ und über den Hafen entlang an der Schlei sind wir in der Schlei Perle versackt und haben bei leckerem Kuchen und Kaffee beobachtet wie die Segelschiffe und Wolken an uns vorbeiziehen.

Auch der Samstag blies ein wenig Trübsal. Und was hilft dagegen am besten? Richtig, Kuchen! Den haben wir uns dieses Mal in Maasholm gegönnt. Denn im Cafe Sand am Meer gibt es den wohl besten Kuchen an der ganzen Schlei. Seit meiner frühsten Kindheit musste ich dort immer ein Stück Stratiatellatorte essen. Und wenn ich ein Stück schreibe sind es eigentlich zwei, denn die Portionen sind dort besonders groß — Gott sei Dank! Wer nicht so gerne Kuchen isst oder schon zu viel Süßes hatte, der sollte unbedingt am Hafen eine der legendären Currywürste essen. Die gibt es da nämlich mit Currysoße und die Kombination ist ein Gedicht. Auch der Backfisch kann sich sehen lassen und am besten genießt es sich direkt am Steg mit den Füßen überm Wasser baumelnd.

Für den Abend musste ich dann noch ein Schälchen Oliven kaufen. Schließlich wollten wir grillen und für mich dürfen die kernigen kleinen Kerle einfach nicht fehlen. Hängen geblieben bin ich dann beim Regal mit all den Grillalternativen für Vegetarier und Veganer oder auch meinem natürlichen Habitat.

Alles in allem war es ein sehr gelungenes Wochenende und auch wenn sich die Sonne etwas selten blicken lassen hat, bin ich entspannt und mit vielen Sommersprossen im Gesicht in die Stadt zurückgekehrt. Der Vorteil am Wasser und dem starken Wind ist nämlich auch, dass trotz Wolken die Sonne eine ganz große Kraft hat und man so auch ohne ständiges Stirnrunzeln braun wird. 🙂